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Balkan mit und ohne Schluchten (Doku)

Kategorien: 480p, Online

Der Balkan ist ein halber Kontinent, ein Lebensgefühl, ein Gebirge gleichen Namens. ARD-Korrespondent Thomas Morawski, der den Balkan seit Jahrzehnten kennt, stellt seine Lieblingsplätze vor: Abseits der bekannten Pfade reist er von Kroatien durch Montenegro, macht einen Schlenker nach Serbien, weiter geht es nach Mazedonien, der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik. In Albanien streift er verschlafene Nester, die kaum mit dem Auto erreichbar sind. In Bulgarien endet die Reise am Durchbruch des Balkangebirges, das der ganzen Region seinen Namen gibt. Es sind Landschaften, die eigene Geschichten erzählen.
Wenn man südlich von Zagreb die Autobahn nimmt Richtung Küste, meint man bald, im amerikanischen Monument Valley zu sein. Steile Felsmonumente ragen aus der Ebene, Schilder geben Hinweise auf vagabundierende Bären. Das ist Kroatiens Hinterland. Man denkt an die Rockies. In dieser Gegend wurden in den 60er-Jahren Karl-May-Filme gedreht. Ein Winnetou-Museum erinnert daran, und das ausgerechnet in einer Gegend, die seit dem Krieg mit Serbien immer noch vermint ist. Die Leute haben gelernt, damit zu leben. Räumkommandos lassen an die alltäglichen Gefahren denken.

Weiter geht es durch Europas letzte Urwälder im kleinen Montenegro, kilometertiefe Schluchten und jahrhundertalte Baumriesen. Per Boot kann man weit ins Unbekannte vordringen. Ein Abstecher nach Serbien folgt. Kurz hinter dem Eisernen Tor, dem Felsdurchbruch der Donau in Serbien, schwimmen die zahlreichen Kreuzfahrtschiffe über brisantem Untergrund. Bei Niedrigwasser taucht sie auf, die sogenannte deutsche Schwarzmeerflotte auf dem Grund des Flusses. Am Ende des Zweiten Weltkriegs versenkte die Wehrmacht auf dem Rückzug etwa 170 Schiffe. Dass in den Wracks noch explosive Ladungen liegen, stört kaum jemanden. Die Menschen hier sind Meister im Überleben.

In Nordalbanien stehen die Berge immer noch als kaum überwindbare Hindernisse zwischen Nachbarn. Jahrhundertealte Dörfer scheinen versunken in einen nicht enden wollenden Schlaf. Durch den schiffbaren Stausee von Fierze ist ein Zugang gelungen. Mit einer einfachen Fähre gelangt man in Fjorde und Täler, die an Norwegen erinnern. Die Zeit steht hier still. Nur wenn das Schiff kommt, erwacht die Gegend zu Leben.

Vorletzte Station der Reise quer durch den Balkan ist Mazedonien, eine seit dem kurzen Krieg 2001 wieder von Gott und der Aufmerksamkeit der Welt verlassene Gegend. Viele Mazedonier suchten ihr Heil im Ausland, oft sind nur noch die Roma geblieben, die größte Minderheit. Mazedoniens Zigeunermusiker sind berühmt durch ihre urständige Art, eine von ihnen darf sich sogar Königin der Zigeunermusi“ nennen: Esma, wenn sie nicht gerade irgendwo auf Welttournee ist. Ausgerechnet das verschlafene Mazedonien swingt.

Der Balkan ist wild und unzugänglich. Auch in Bulgarien kann man das erleben, sei es mit dem Bummelzug, der sich im Schneckentempo durch die Täler schlängelt, oder hoch zu Ross. Erholung für die müden Knochen bieten uralte Klöster. Und schon wieder fallen dem Reisenden die Romane von Karl May ein, der über die Schluchten des Balkans fabulierte, aber nie hier gewesen ist.

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